Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, blühende Wiesen und irgendwo am Straßenrand ein kleines handgemaltes Schild mit der Aufschrift „Loppis“. Wer häufiger in Schweden unterwegs ist, kennt diesen Anblick wahrscheinlich – und vielleicht auch den Gedanken, der unmittelbar danach kommt: „Ach komm, wir schauen nur mal kurz.“ Aus diesem kurzen Zwischenstopp kann dann allerdings ziemlich schnell eine Stunde werden.
Loppis heißt übersetzt eigentlich Floh und steht in Schweden für einen Floh- oder Trödelmarkt. Manchmal handelt es sich um einen professionell betriebenen Markt, manchmal um eine alte Scheune voller Möbel und manchmal hat einfach jemand Garage und Garten geöffnet und verkauft dort alles, was Keller, Dachboden und Sommerhaus in den vergangenen Jahrzehnten hergegeben haben.
Auch wenn du das ganze Jahr über Trödelmärkte in Schweden finden kannst, beginnt die eigentliche Loppis-Zeit im Frühjahr. Im Sommer sprießen die kleinen Flohmärkte und Garagenverkäufe dann tatsächlich wie Pilze aus dem Boden. Besonders beliebt sind Loppis in Småland, Värmland und Dalsland, aber auch in den übrigen Teilen des Landes kannst du zahlreiche Trödelmärkte und Antikläden von Privatpersonen, Vereinen und professionellen Händlern entdecken.
Und genau das macht für uns einen Teil des Reizes aus: Du weißt vorher nie so genau, was hinter dem nächsten Loppis-Schild wartet. Eine kleine Kiste mit altem Geschirr auf einem Gartentisch? Eine Scheune voller Möbel? Oder ein riesiger Flohmarkt, auf dem man nach einer Stunde immer noch nicht alles gesehen hat?

Was findet man auf einem schwedischen Loppis?
Nicht nur bei den Schweden selbst sind Trödelmärkte und Antikläden beliebt. Auch Urlauber strömen dorthin und hoffen auf das eine oder andere Fundstück. Und die Auswahl kann erstaunlich sein. Neben kompletten Haushaltsauflösungen werden auf den Loppis alte Liebhaberstücke wie Plattenspieler, Holztruhen, Lampen und Kommoden mit echter Patina sowie Schaukelstühle und feine Porzellanservices verkauft.
Dazwischen stehen Kisten voller Gläser, alte Bilderrahmen, Bücher, Kerzenständer, Werkzeuge, Spielsachen und Dinge, bei denen man zunächst überhaupt nicht weiß, wofür sie einmal gedacht waren. Genau das Richtige also für Jäger und Sammler – oder für Menschen wie uns, die eigentlich nur ein bisschen schmökern wollen und anschließend mit drei Tassen, einer alten Lampe und irgendeinem Holzgegenstand zum Auto zurücklaufen, für den zu Hause erst noch ein Platz gefunden werden muss.
Besonders schön finden wir Dinge, denen man ihr Alter ruhig ansehen darf. Ein alter Holzstuhl muss nicht aussehen, als wäre er gestern aus der Möbelfabrik gekommen. Ein paar Kratzer, abgewetzte Kanten oder verblasste Farbe erzählen schließlich ein bisschen davon, dass dieser Gegenstand schon ein Leben vor unserem Wohnzimmer hatte.
Unsere Empfehlung: Komme mit einem leeren Kofferraum oder – wenn du besonders gefährdet bist – gleich mit einem Anhänger :-). Es gibt nämlich wirklich allerhand zu entdecken.
Und plane nicht nur Zeit für die Suche nach alten Schätzen ein. Darf es noch eine Tasse Kaffee sein? Dann nimm dir ruhig die Zeit und genieße vor, während oder nach dem Einkauf einen Kaffee. Beobachte die anderen Besucher beim Stöbern, sieh jemandem dabei zu, wie er begeistert einen alten Kupferkessel aus einer Ecke zieht, oder lausche den Einheimischen bei ihren Gesprächen.
Man muss auf einem Loppis nicht immer etwas kaufen. Manchmal reicht es vollkommen, zwischen alten Möbeln herumzulaufen, ein bisschen Schwedisch aufzuschnappen und anschließend mit einem Kaffee in der Sonne zu sitzen. Auch das gehört für uns zu einem Sommer in Schweden.
Wo gibt es überall Loppis in Schweden?
Loppis findest du praktisch über das ganze Land verteilt – angefangen bei privaten Flohmärkten in Garagen, Gärten und Scheunen bis hin zu großen Trödel- und Antikmärkten. Besonders viele kleine private Märkte tauchen ab Ende Mai und während der schwedischen Sommermonate auf.
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, brauchst du manchmal überhaupt keine Internetseite oder App. Achte einfach auf die kleinen Loppis-Schilder am Straßenrand. Sie sind nicht immer besonders professionell gestaltet. Manchmal ist es nur ein Stück Pappe, ein handgemalter Pfeil und vielleicht noch eine Entfernungsangabe darunter.
Und genau dann beginnt der interessante Teil.
Der Pfeil führt vielleicht von der Hauptstraße auf eine kleine Nebenstraße, dann noch einmal links und schließlich über einen Schotterweg zu einem roten Holzhaus. Vor der Scheune stehen ein paar Autos, die Tür ist geöffnet – und plötzlich stehst du mitten in einem privaten Loppis, den du zehn Minuten vorher überhaupt nicht auf dem Plan hattest.
Solche spontanen Stopps mögen wir besonders. Sie lassen sich nicht richtig planen und sind gerade deshalb oft diejenigen, an die man sich später erinnert.
Natürlich kannst du deine Loppis-Tour auch etwas gezielter vorbereiten. Bei deinem nächsten Urlaub in Schweden kannst du beispielsweise vorab nach Märkten in der Umgebung deines Ferienhauses suchen. Hilfreich sind unter anderem:
- Svenska Loppisar – eine Übersicht und Suchmöglichkeit für Flohmärkte in Schweden.
- Antik & Loppisguiden – eine weitere Möglichkeit, nach Loppis und Antiquitätenläden zu suchen.
Bei geplanten Besuchen lohnt sich ein kurzer Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten. Gerade kleinere Loppis haben nicht unbedingt täglich geöffnet. Manche öffnen nur am Wochenende, andere nur während der Sommermonate und private Flohmärkte manchmal sogar nur für wenige Tage.
Wenn du spontan einem Schild am Straßenrand folgst, gilt dagegen eine einfachere Regel: Ist die Tür offen und stehen andere Autos davor, stehen die Chancen ziemlich gut.
Unsere Tipps für deinen Loppis-Besuch
Nach einigen Loppis-Besuchen haben wir ein paar Dinge gelernt. Das Wichtigste zuerst: Nicht zu lange überlegen. Natürlich sollst du nicht jeden alten Stuhl kaufen, nur weil er nett aussieht. Aber wenn du wirklich etwas Besonderes entdeckt hast, solltest du auch nicht davon ausgehen, dass es zwei Stunden später noch dort steht.
- Früh kommen: Bei beliebten Märkten lohnt es sich, möglichst zur Öffnung da zu sein. Die interessantesten Einzelstücke gibt es schließlich nur einmal.
- Platz im Auto lassen: Klingt banal – bis man vor einer wunderschönen alten Holzbank steht und feststellt, dass der Kofferraum bis obenhin mit Urlaubssachen gefüllt ist.
- Maßband einpacken: Gerade bei Möbeln ausgesprochen praktisch. Im Loppis wirkt die kleine Kommode nämlich manchmal deutlich kleiner als später zu Hause.
- Bargeld und Karte dabeihaben: Je nach Loppis können die Zahlungsmöglichkeiten unterschiedlich sein. Bei privaten Verkäufen solltest du dich nicht darauf verlassen, dass jede deutsche Karte akzeptiert wird.
- Zeit mitbringen: Wer nur zehn Minuten eingeplant hat, wird meistens entweder hektisch oder bleibt trotzdem eine Stunde.
- Auch in Kisten schauen: Die schönsten Dinge stehen nicht immer dekorativ auf Augenhöhe. Manchmal liegt das beste Fundstück ganz unten zwischen Tellern, Büchern und alten Küchentüchern.
Und noch etwas: Bei einem Loppis geht es für uns nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Märkte „abzuarbeiten“. Zwei oder drei schöne Stopps, ein Kaffee zwischendurch und vielleicht noch ein Spaziergang durch einen kleinen Ort machen deutlich mehr Spaß als ein straffer Flohmarkt-Zeitplan.
Großer Loppis in Småland: Unsere Erfahrungen
Während unseres letzten Schwedenurlaubes haben wir uns zwei Tage Zeit genommen und sind einige Loppis in Südschweden abgefahren. Das Schöne ist, dass am Wochenende an so ziemlich jeder Ecke diese kleinen Loppis-Schildchen zu finden sind :-).
Natürlich kann man versuchen, vorher eine perfekte Route zusammenzustellen. Bei uns funktioniert das allerdings nur bedingt. Sobald am Straßenrand wieder ein Schild auftaucht und ein Pfeil in irgendeine Nebenstraße zeigt, ist der ursprüngliche Plan schnell vergessen.
Unsere Reise führte uns unter anderem nach Moheda in Småland. Dort befindet sich mit Östregårds Antik & Loppmarknad ein besonders großer und bekannter Loppis – und entsprechend gespannt waren wir, was uns dort erwartet.
Die genaue Adresse des Östregårds Antik & Loppmarknad in Moheda lautet:
Ryd Östregård
342 63 Moheda
Öffnungszeiten:
Die Öffnungszeiten können sich je nach Saison und Veranstaltungstag ändern. Deshalb empfehlen wir dir, vor der Anfahrt noch einmal die aktuellen Angaben des Betreibers zu prüfen. Und wenn du etwas Bestimmtes suchst, lohnt es sich ohnehin, früh dort zu sein. Andernfalls trägt vielleicht schon jemand anderes dein Objekt der Begierde Richtung Parkplatz.

Vor der Fahrt dorthin haben wir uns ein wenig auf der Webseite von Östregårds Antik & Loppmarknad und auf der Facebook-Seite von Östregårds umgeschaut, was uns denn dort erwartet.
Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir auf den bereits gut gefüllten Parkplatz. Schon beim Aussteigen war klar, dass wir hier nicht nach zehn Minuten wieder verschwinden würden. Im Freien standen zahlreiche Gartenmöbel, Deko, alte Fahrräder, Holztruhen, Vitrinen und vieles mehr.
Das ist übrigens einer dieser Momente, in denen der gute Vorsatz „Wir schauen wirklich nur“ erste Risse bekommt.
In der angrenzenden rund 800 m² großen Scheune ging es dann weiter. Alte Möbel standen neben Geschirr, Lampen und kleinen Fundstücken, dazwischen immer wieder Dinge, bei denen man stehen bleibt, sie in die Hand nimmt, wieder zurückstellt – und drei Minuten später doch noch einmal zurückgeht.
Alles aufzuzählen, was dort steht, würde tatsächlich den Rahmen sprengen. Und wahrscheinlich wäre eine vollständige Liste ohnehin schon wieder veraltet, bevor wir sie fertig geschrieben hätten. Gerade das gehört schließlich zum Loppis: Das Sortiment von heute kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.
Wenn du Östregårds besuchst, würden wir deshalb genügend Zeit einplanen und den Ausflug nicht nur als Einkaufsstopp betrachten. Die Gegend rund um Moheda ist viel zu schön, um anschließend sofort wieder auf die nächste große Straße zu fahren.
Wir sind aus Richtung Kalmar mit dem Auto angereist und unter anderem durch das beschauliche Örtchen Åby gefahren. Wenn du genügend Zeit hast, suche dir unterwegs ruhig einen Parkplatz und mache einen gemütlichen Spaziergang. Gerade die kleinen Orte, an denen man sonst einfach vorbeifahren würde, sorgen manchmal für die schönsten Unterbrechungen einer Reise.
Ein rotes Holzhaus, ein alter Zaun, Blumen am Straßenrand und irgendwo dahinter ein See – mehr braucht es manchmal gar nicht für ein schönes Fotomotiv.


Und wenn am Ende des Tages tatsächlich noch Platz im Kofferraum ist, habt ihr entweder erstaunliche Selbstbeherrschung bewiesen – oder ihr seid einfach noch nicht am richtigen Loppis vorbeigekommen :-).
Für uns gehören diese kleinen Abstecher inzwischen jedenfalls genauso zu einer Reise durch Schweden wie rote Holzhäuser, Seen und die erste Kanelbulle unterwegs. Man weiß nie genau, was man findet. Und genau deshalb hält man beim nächsten handgemalten Loppis-Schild wahrscheinlich wieder an.
Kommentare & Fragen
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